Spirituelle Impulse

 

Predigtnachlese

 

Predigt von Harald Mally zum Patrozinium am 8.1.2018

Erhard geht hinaus
Gold von den Sternen

Lk10,1-9
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Röm 10,14f.
Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet? Wie soll aber jemand verkünden, wenn er nicht gesandt ist? Wie geschrieben steht: Wie willkommen sind die Füße der Freudenboten, die Gutes verkünden!

Jer 29,7
Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl.


Erhard geht hinaus. Wohin?
Zum Beispiel dorthin, wo er sonst nicht hingeht, wo er auch Stärkung finden kann und andere Menschen trifft, die auch den christlichen Glauben leben;
zum Beispiel zum ökumenischen Gottesdienst am 21.1. in Neuerlaa. Um 9.30. Ja, am Sonntag, sozusagen zur Prime-Time auf die hl. Messe, auf die Eucharistiefeier, verzichten und mit unseren Geschwistern aus anderen Kirchen feiern, das darf auch etwas kosten. Dann spüre ich in der eigenen Seele den Schmerz der Trennung und zugleich die Dankbarkeit für das Zeugnis der anderen Christen.
Zum Beispiel zum Bibel-Jourfix auf den Georgenberg. Ja, obwohl du dich vielleicht anfangs unsicher fühlst, weil du dort noch nie warst. Aber die Veranstalter werden sich freuen und dein Interesse schätzen.
Zum Beispiel zu den Besinnungsabenden in der Fastenzeit, die von der Erlöserkirche, der Wotrubakirche und von St. Erhard gemeinsam gestaltet werden. Das wären zwei Fliegen auf einen Schlag: etwas für deine Seele tun und hinausgehen.
Und so weiter zum Beispiel im Mariapolizentrum Am Spiegeln, bei anderen Veranstaltungen im Dekanat, bei Fortbildungsveranstaltungen der Diözese.
Und wenn du noch nicht so genau weißt, kannst du fürs erste rausgehen aus der Mitte. Es dreht sich nicht alles um dich. Und dann schauen, wer noch da ist, und die anderen herein und in die Mitte kommen lassen.

Erhard geht hinaus. Zu Wem?

Zum Beispiel zu Menschen, die du schon lange nicht mehr gesehen hast. Und die du vielleicht nicht einmal so gerne siehst, zu den Verwandten oder zu den Nachbarn, die gelegentlich unfreundlich oder abweisend waren
wir könnten sogar hinaus gehen zu Menschen, von denen wir eigentlich gerne eine Entschuldigung hätten, die aber nicht kommt. Wir könnten verzeihen und einen Neuanfang setzen.

Erhard geht hinaus. Wie?

Eben mit einer anderen Einstellung. Du kannst ruhig zum Heurigen gehen wie bisher, aber mit einer anderen Einstellung. Du könntest die anderen Gäste mit mehr Wohlwollen betrachten. Du könntest dich mal an einen Tisch setzen, wo schon jemand anderer sitzt – das war doch früher Gang und Gäbe – und ins Gespräch kommen. Du könntest darauf verzichten, zu jammern und andere auszurichten. Du könntest schöne Erlebnisse aus deinem Leben teilen. Oder einfach zuhören. Und du wirst merken, dass es stimmt, was Paulus den Römern verspricht: Wie willkommen sind die Füße der Freudenboten, die Gutes verkünden!
Das Evangelium rät uns ohne Vorratstasche loszuziehen. Ohne vorgefertigte Antworten und ohne Rechthaberei.
Du könntest und solltest etwas riskieren. Es könnte gelegentlich auch schiefgehen, das ist wahr, das können wir nicht ausschließen. Aber du kannst das aushalten und wegstecken. Dein Glaube gibt dir Kraft. Und die Erfahrung zeigt uns, dass es meistens gut geht, wenn die Motivation stimmt, und dass die Lebensfreude in uns wächst und dass wir andere damit anstecken.
Ich möchte das alles am liebsten in einer Geschichte zum Ausdruck bringen, in einem Lied aus dem Musical Mozart –

Gold von den Sternen.

Es war einmal ein König,
der lebte mit seinem Sohn
in einem Schloss,
das lag in einem Zaubergarten!

Und weil der König alt
und von der Welt enttäuscht war,
war die Mauer sehr hoch
und das Tor immer zugesperrt!

“Es gibt“, sprach der König,
“keinen besseren Ort!“
Doch die Sehnsucht sprach zum Prinzen:
“Du musst hier fort!“

Manchmal nachts fällt Gold von den Sternen!
Du kannst es finden,
da draußen, wo noch keiner war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du allein hinaus in die Gefahr!

„Da draußen wirst du scheitern!“,
sprach der Vater zum Sohn.
“Genau wie ich,
drum bleib in unserm Zaubergarten!

Ich geb´ dir Sicherheit,
nur um dich zu beschützen-
ist die Mauer so hoch
und das Tor immer zugesperrt!“

Die Liebe des Königs sprach aus jedem Wort,
doch die Sehnsucht sprach zum Prinzen:
“Du musst hier fort!“

Am Rand der Welt fällt Gold von den Sternen!
Und wer es findet,
erreicht, was unerreichbar war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du allein hinaus in die Gefahr!

Lieben heißt: Manchmal loslassen können!
Lieben heißt: Manchmal von Geliebten sich trennen!
Lieben heißt: Nicht nach dem eignen Glück fragen!
Lieben heißt: Unter Tränen zu sagen:

Weit von hier fällt Gold von den Sternen!
Du kannst es finden,
da draußen, wo noch keiner war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du fort von zu Haus
und nur auf dich gestellt
allein hinaus in die Welt voll Gefahr!

Text: Angelika Milster