Spirituelle Impulse

 

Predigtnachlese

 

Predigt von Harald Mally zum 11. Sonntag im Jahreskreis (Mk 4,26-30 Gleichnis vom Wachsen der Saat)
Rückblick auf das Arbeitsjahr 2017/18

Erste Ernte 2018
Ein 20jähriger spaziert auf einem Feldweg ca. 30 km außerhalb der Stadt Rom. Es ist Ende September, die Ernte liegt lange zurück, in der Zwischenzeit wurde geackert. Er betrachtet die groben Erdschollen und die aufgewühlte Erde und findet, dass dieser Anblick ein gutes Bild ist für das, was sich in seinem Inneren abspielt. Er ist Seminarist, der hierhergeschickt wurde, um seine Studien in der Ewigen Stadt fortzusetzen. Er befindet sich noch in San Pastore nahe Palestrina nach dem Italienischkurs und vor Beginn des Studienjahres. Es sind die Exerzitien, eine Woche der Einkehr und des Schweigens, aber er ist innerlich sehr unruhig und sehr ungeduldig. Er möchte schon viel weiter sein, in seiner inneren und äußeren Entwicklung. Er möchte gerne fertiger Priester sein (vielleicht auch um es den anderen ordentlich reinsagen zu können). Vor allem möchte er ein Heiliger sein.
Aus heutiger Sicht frage ich: was ist eigentlich ein fertiger Priester? Und mir geht die Aussage von P. Matthias Maier OFM nicht mehr aus dem Kopf:
"Fertige Priester (Menschen) machen alle fertig"

Doch zurück zu unserem aufstrebenden Seminaristen, der nach seinem Spaziergang zur Aussprache zu seinem Exerzitienleiter geht. Der Jesuitenpater F.J. Steinmetz gibt ihm daraufhin den Auftrag das 4. Kapitel von Markus zu meditieren. Vor allem die Verse 26 bis 30: das Gleichnis vom Wachsen der Saat. Das sitzt! Das trifft! Es ist eine Offenbarung und ein Paradigmenwechsel. Eine bis dahin nicht gekannte Geduld und Zuversicht legen sich wie frischer Tau auf sein Herz; es wird sich zeigen, dass diese Stimmung der Hoffnung und Zuversicht, dass Gott in sein Leben eingreifen kann und darf, dass ER wachsen lassen kann und darf, wann wie und was ER will, zu einer Grundausrichtung und zum Wurzelboden seiner Innenwelt geworden ist.

Kehren wir zurück aus dem Jahr 1988 in das Jahr 2018. Aber bleiben wir bei derselben Person, die euch hier ein sehr bedeutsames Ereignis ihrer inneren Entwicklung anvertraut hat. Es geht um den, der seit dem 1.9.2017 euer Pfarrer ist. Hat die Stimmung der Geduld, Hoffnung und Zuversicht gehalten? Ich denke ja. Aber ich vermute, dass auch andere Stimmungen undCharaktereigenschaften durchgeschlagen haben: Spontaneität und ein gewisses Tempo bei den Planungenwie bei der Umsetzung, Kreativität und Unternehmensfreude, ein durchaus offensives Zugehen und Zupacken, Freude an der Vielfalt des seelsorglichen Wirkens… sodass ihr vielleicht manchmal nicht mehr genau gewusst habt, worauf er hinauswill und vor allem: WO STECKT ER JETZT SCHON WIEDER?
Ich möchte zu allererst jene unter euch um Entschuldigung bitten, die ich verletzt oder enttäuscht habe in diesem ersten Arbeitsjahr als euer Pfarrer; wenn ich mir angesichts deiner Hoffnungen und Erwartungen zu wenig Zeit genommen habe für dich oder für deine Gruppe, oder wenn ich an dir vorbei geflitzt bin ohne Gruß; wenn ich vergessen habe zu danken und nachzufragen. Wahrscheinlich war ich nicht sehr oft wie jener Bauer oder Sämann des Evangeliums, der sich in Ruhe hinlegt und zuschaut, wie die Saat wächst. Ich war aber doch noch mitten drin in der Aussaat. Ich konnte und durfte mich noch nicht ausruhen. Dafür bitte ich um Verständnis und mehr noch: ich bitte um euer Wohlwollen, um eure Unterstützung, ja um euren Segen und um euer begleitendes Gebet.

Und wenn euch doch wieder Unzufriedenheit überfällt, dann bitte ich um eure Geduld, um Nachsicht, um Verzeihen. Und eines erbitte ich mit großer Dringlichkeit: nicht Schimpfen, nicht Jammern und den Pfarrer nicht ausrichten. Auch sonst niemanden. Damit würdet ihr nicht nur der betreffenden Person schaden, sondern der gesamten Pfarrgemeinde und vor allem stellt ihr euch diametral gegen den Geist des Evangeliums, der aufbaut, aufrichtet, heilt, segnet und ermutigt.

Es kann ja auch sein, dass alte Wunden und unangenehme Erfahrungen deines Lebens auftauchen, für die ich gar nichts kann; aber weil ich als Pfarrer sozusagen in der Schusslinie stehe, darum trifft mich dann – zumindest im Geiste – dein Ärger. Es zahlt sich geistlich gesehen immer aus, die Aussage des Mitmenschen zu retten anstatt sie zu verurteilen und seine Handlungen wohlmeinend zu interpretieren, zumindest deren Intention.
Ich möchte zurückkommen auf die Frage der Präsenz, und auf die Erwartungen an den Pfarrer, vor allem auf diese:Der Pfarrer sollte bei allen wichtigen Ereignissen des Pfarrlebens dabei sein. Es ist wahr, dass die Mitarbeiter unserer Gemeinde Dank und Anerkennung aller aktiven Christen verdienen, erst recht vom Pfarrer, der auch Gelegenheiten suchen soll, diese auszudrücken; aber es ist nicht wahr, dass eine Veranstaltung mehr wert ist, wenn der Pfarrer dabei ist. Eine Veranstaltung – gleich ob in der Kirche oder außerhalb – ist wertvoll, wenn und weil sie in einem guten Geist und mit guten Absichten, etwa zur Erbauung der Mitchristen, gedacht und geplant und durchgeführt wird. Wenn der Pfarrer dabei ist, so ist das gut für ihn und hoffentlich auch für die anderen. Aber es macht die Veranstaltung nicht in sich wertvoller. Das bitte ich gründlich zu bedenken. Sonst fallen wir nicht nur aus den Bestimmungen des zweiten Vatikanischen Konzils heraus, das Schluss gemacht hat mit der Überbewertung des Klerus, sondern vor allem aus dem Evangelium Jesu Christi.

Darüber hinaus ist es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Pfarrers, pastorale Akzente zu setzen. Wenn ich nicht Einheit stifte zwischen der Gemeinde auf dem Georgenberg und St. Erhard, wer wird es dann tun? Zumindest muss ich meinen Teil dazu tun und das erfordert auch Präsenz, Engagement, Kräfte und Zeit. Wenn ich in der einen Gemeinde andere Akzente setze als in der anderen, wenn ich mich einlasse auf die jeweiligen Erfordernisse und Bedürfnisse, handle ich dann nicht wie man es von einem Vater ungleicher Kinder erwarten darf?

Gegen Neid oder Eifersucht ist kein Kraut gewachsen. Aber wir dürfen und sollen den Heiligen Geist bitten, dass er solche Gefühle gar nicht erst aufkommen lässt oder gleich im Keim erstickt.

Ich habe bei meiner Amtseinführung versprochen, der Jugend und den 10 Schulen in unserem Pfarrgebiet Aufmerksamkeit zu schenken und ich habe mein Wort gehalten. Je genauer man hinschaut auf die realen Situationen in unseren Schulen, umso mehr Baustellen tun sich allerdings auf. Auch hier bitte ich um euer Gebet – für die Lehrer, besonders unsere Religionslehrer, für die Schüler und für ihre Familien.

Ich habe ein beherztes Zugehen auf die PGR-Wahlen und Werbung um neue Mitarbeiter versprochen und ich habe mich sehr darum bemüht. Beim Emmaustag am 11.11.17gab es gut 150 Teilnehmer. Wie schön, dass es auch so etwas wie Neugier im Menschen gibt. Ich glaube, die Teilnehmer wurden nicht enttäuscht. Ich bin froh und dankbar über so vieles, was in diesem Miteinander seither geschehen ist.

In meinen Predigten kamen sehr häufig Vokabel wie „hinausgehen“ und „offenes Zugehen“ vor, und ich selbst will und kann nicht anders leben. Wenn euch der Ort und die Gestaltung des Fronleichnamsfestes nicht allen gefallen haben, so bitte ich um Nachsicht. Zugleich bitte ich euch aber nicht zu übersehen, dass es ein Ergebnis des Wunsches und der Bemühungen in diesem Geist der Mission und des Hinausgehens war. Vielleicht oder sogar ganz sicher kann man einiges daran weiterentwickeln und verbessern. Aber die Menschen in Mauer und die Veranstalter vom Kirtag haben unsere Absicht durchaus wahrgenommen, und das stimmt auch für jene, die uns lieber ferne gehalten hätten. (Vielleicht fand ich gerade deshalb die Einstimmung mit Don Camillo und Peppone passend!) Wir dürfen unser Engagement keinesfalls vom Applaus abhängig machen. Hier verweise ich ein weiteres Mal auf das Gebet zum Heiligen Geist, der uns ermutigt, inspiriert und bestärkt, neue Wege einzuschlagen.

Meinerseits kann ich nur sagen, dass ich sehr große Freude daran habe, Pfarrer von Mauer zu sein. Es ist ein Privileg in dieser wunderschönen Gegend Wiens zu wohnen, aber auch in dieser Gemeinde zu wirken, die so viele wertvolle Initiativen hervorgebracht hat und hervorbringt, als Nachfolger großer Priesterpersönlichkeiten und als Bruder unter wunderbaren Menschen. Ich danke euch von Herzen für dieses erste Jahr, denn ich fühle mich und meine Impulse unter euch sehr gut aufgenommen. Ich bin dankbar für das gute Miteinander in vielen Gruppen, dazu gehört auch unser neu gegründeter Gemeindeausschuss. Es bleibt der Wunsch nach Heiligkeit und die Gewissheit, damit nie fertig zu werden. Bitte betet für mich und helft mir, meine Aufgabe besser zu erfüllen!Vergelt’s Gott! Amen!

 

Predigt von Harald Mally zum Osterfest 2018

Schmetterling Esel Lamm und Hahn - Ostern tierisch
Die Karwoche ist für Christen eine besondere Zeit, in der an das Leiden und Sterben Jesu und an die Auferstehung gedacht wird. Die Erlösung gilt der ganzen Schöpfung und bezieht sie mit ein. Darum brauchen wir uns nicht darüber wundern, dass auch Tiere eine Rolle in der Heilsgeschichte und in der Karwoche spielen.

Die unmittelbare Erlösungsgeschichte und Heilstat Jesu beginnt mit dem Palmsonntag, als er auf einem Esel in Jerusalem einzieht und von einer begeisterten Menschenmenge empfangen wird. Der Esel ist Symbol eines Lastenträgers und eines friedfertigen Tieres. Nicht ein Reittier, wie das Pferd, auf dem Eroberer einzogen. Jesus reitet auf einem Esel und zeigt damit, dass sein Königtum nicht von dieser Welt ist, sondern ein Königtum der Liebe.
Am Gründonnerstag, bei der Feier vom Letzten Abendmahl, ist es das Lamm, das nach jüdischer Tradition geschlachtet wird, das zum Ausdruck und Symbol für Jesu Hingabeund sein unschuldiges Leiden wird. Nach Johannes stirbt Jesus um die Zeit, in der man die Paschalämmer schlachtete. Man brach ihm keine Knochen – damit wirdder Befehl aus der Exodus in Bezug auf Osterlamm erfüllt. Für uns bleibt dieses Opfergeschehen ein Stück fremdund wir müssen das auch nicht alles im Detail wissen, schon gar nicht die Opfervorschriften; aber etwas von dieser Opfer-Mentalität und -Spiritualität durchzieht auch unsere Tradition. Keinesfalls darf sie die ungeschuldete Erlösung aus unergründlicher Liebe Gottesin Frage stellen. Das Lamm ist auch in unsere Liturgie eingegangen, allerdings nur sprachlich – denn gebrochen wird ja nur ein Stück Brot, während wir beten „Lamm Gottes“.

Der Hahn ist der Wecker von Alters her, dank ihm konnten auchMenschen früherer Zeiten, als es noch keine Uhren gab, pünktlich sein. Er hat auch am frühen Morgen nach der Gefangennahme Jesu gekräht, wie sogar alle vier Evangelisten übereinstimmend berichten. In jener Nacht hat Petrus seinen Meister dreimal verleugnet, "und sogleich krähte der Hahn". Er steht für Wachsamkeit und dafür, dass man zu dem stehen sollte, was man versprochen hat.
Der Schmetterling schließlich war schon im Altertum und in der Zeit der frühen Christen Sinnbild der Verwandlung, das Symbol der Metamorphose und der unsterblichen Seele. Wie Jesus am Karfreitag in die Grabhöhle gelegt worden ist, so wartet die Raupe, eingehüllt in ihren Kokon, darauf, sich in einen Schmetterling zu verwandeln. Sie eignet sich deshalb besonders, das nicht zu beschreibende Geschehen der Auferstehung vom Tod zum Leben zu beschreiben, besser gesagt zu bezeichnen.

Unser Leben gleicht manchmal wirklich dem der Raupe: Mühsam wie auf Stummelfüssen kriechen wir durch den Staub der Zeit und die Verpflichtungen des Alltags. Wir leben oft in der Gefahr, zertreten zu werden von Rücksichtslosigkeit im Kampf um den Mammon. Wir fühlen uns bedroht von all den (komischen) „Vögeln“, die uns überfallen können: Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfälle jeglicher Art ... Wir krümmen uns manchmal vor Schmerz, wenn wir von unseren Mitmenschenenttäuscht werden, wenn wir Angst und Ungeborgenheit spüren. Und dann der unersättliche Hunger! Immer mehr, nur vom Feinsten, immer höher, immer weiter.

Aus dem oft garstigen dicken Raupenleib entschlüpft ein zarter herrlicher Schmetterling. Statt der Stummelfüsse Flügel, statt Staub und Blätter Nektar und Honig, statt mühseligem Kriechen eine Schweben über Hecken und Zäune. Paulus schreibt: „So ist das auch mit der Auferstehung der Toten: Was gesät wird, ist armselig,; was auferweckt wird, herrlich!“ (1 Kor 15,42f)

In der St. Ulrich-Kirche in Regensburg ist das sogenannte Schmetterlingsreliquiar ausgestellt. 1994 machte man bei der Restaurierung eines riesigen gotischen Holzkruzifixes (Ende 14. Jahrhundert) in der ehemaligen Schottenkirche eine sensationelle Entdeckung. Im Hinterkopf der Figur des Gekreuzigten war ein Hohlraum. Darin hatte der Künstler eine Metallkapsel versteckt. Man öffnete die Kapsel und staunte nicht schlecht: Ein bunter Schmetterling kam zum Vorschein, eine feuervergoldete Emailarbeit auf Silber. Es zeigt die Kreuzigung Christi mit Maria und dem Lieblingsjünger Johannes. Das Miniaturwerk ist vier mal fünf Zentimeter groß, die Enden der Fühler sind mit echten Perlen besetzt. Man nimmt als Entstehungszeit des kostbaren Fundes die Zeit um 1310/1320 an.

Über die Schönheit des Kleinods hinausgehend, liegt seine Bedeutung in der Verbindung von Todesdarstellung und Schmetterlingsgestalt. Was für eine großartige Idee: Der Gekreuzigte, der da blutüberströmt am Kreuz hängt, hat die Auferstehung im Hinterkopf. Das ist sein großes Geheimnis. Der Künstler sagt damit allen, die sein Kreuz anschauen: "Habt die Auferstehung im Hinterkopf!" So wie die Schmetterlingsraupe dazu bestimmt sei, aus der Dunkelheit herauszutreten und sich zur Entfaltung zu bringen, seien auch wir aufgerufen, uns zu entfalten mit all den Möglichkeiten, die in uns stecken.

Die Osterkerze wird uns in der kommenden Zeit daran erinnern: es ist Zeit hinauszugehen aus dem versponnenen Zustand, aus der Reserve und zu riskieren. Was zu riskieren? Dem Desinteresse der Menschen zu begegnen, der Wurschtigkeit gegenüber Gott, Glaube oder Mitmenschlichkeit. Vielleicht sogar riskieren belächelt oder ausgelacht zu werden. Und dennoch Interesse und Zuversicht ausstrahlen, im Wissen um die verborgene und verschüttete Anwesenheit Gottes in diesen Mitmenschen. Die Auferstehung leben.

Lernt von den Schmetterlingen Gottesverehrung!

Sie bleiben nicht auf Zäunen und Mauern.
Sie öffnen die Flügel und leben im Fluge.
Sie klatschen mit ihren Flügeln Gott Beifall.
Sie planen nicht Feste.
Sie feiern im Fluge.
Sie fliegen im Feiern!

(aus: Martin Gutl: Der tanzende Hiob)

 

Predigt von Harald Mally zum Patrozinium am 8.1.2018

Erhard geht hinaus
Gold von den Sternen

Lk 10,1-9
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Röm 10,14f.
Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet? Wie soll aber jemand verkünden, wenn er nicht gesandt ist? Wie geschrieben steht: Wie willkommen sind die Füße der Freudenboten, die Gutes verkünden!

Jer 29,7
Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl.


Erhard geht hinaus. Wohin?
Zum Beispiel dorthin, wo er sonst nicht hingeht, wo er auch Stärkung finden kann und andere Menschen trifft, die auch den christlichen Glauben leben;
zum Beispiel zum ökumenischen Gottesdienst am 21.1. in Neuerlaa. Um 9.30. Ja, am Sonntag, sozusagen zur Prime-Time auf die hl. Messe, auf die Eucharistiefeier, verzichten und mit unseren Geschwistern aus anderen Kirchen feiern, das darf auch etwas kosten. Dann spüre ich in der eigenen Seele den Schmerz der Trennung und zugleich die Dankbarkeit für das Zeugnis der anderen Christen.
Zum Beispiel zum Bibel-Jourfix auf den Georgenberg. Ja, obwohl du dich vielleicht anfangs unsicher fühlst, weil du dort noch nie warst. Aber die Veranstalter werden sich freuen und dein Interesse schätzen.
Zum Beispiel zu den Besinnungsabenden in der Fastenzeit, die von der Erlöserkirche, der Wotrubakirche und von St. Erhard gemeinsam gestaltet werden. Das wären zwei Fliegen auf einen Schlag: etwas für deine Seele tun und hinausgehen.
Und so weiter zum Beispiel im Mariapolizentrum Am Spiegeln, bei anderen Veranstaltungen im Dekanat, bei Fortbildungsveranstaltungen der Diözese.
Und wenn du noch nicht so genau weißt, kannst du fürs erste rausgehen aus der Mitte. Es dreht sich nicht alles um dich. Und dann schauen, wer noch da ist, und die anderen herein und in die Mitte kommen lassen.

Erhard geht hinaus. Zu Wem?

Zum Beispiel zu Menschen, die du schon lange nicht mehr gesehen hast. Und die du vielleicht nicht einmal so gerne siehst, zu den Verwandten oder zu den Nachbarn, die gelegentlich unfreundlich oder abweisend waren
wir könnten sogar hinaus gehen zu Menschen, von denen wir eigentlich gerne eine Entschuldigung hätten, die aber nicht kommt. Wir könnten verzeihen und einen Neuanfang setzen.

Erhard geht hinaus. Wie?

Eben mit einer anderen Einstellung. Du kannst ruhig zum Heurigen gehen wie bisher, aber mit einer anderen Einstellung. Du könntest die anderen Gäste mit mehr Wohlwollen betrachten. Du könntest dich mal an einen Tisch setzen, wo schon jemand anderer sitzt – das war doch früher Gang und Gäbe – und ins Gespräch kommen. Du könntest darauf verzichten, zu jammern und andere auszurichten. Du könntest schöne Erlebnisse aus deinem Leben teilen. Oder einfach zuhören. Und du wirst merken, dass es stimmt, was Paulus den Römern verspricht: Wie willkommen sind die Füße der Freudenboten, die Gutes verkünden!
Das Evangelium rät uns ohne Vorratstasche loszuziehen. Ohne vorgefertigte Antworten und ohne Rechthaberei.
Du könntest und solltest etwas riskieren. Es könnte gelegentlich auch schiefgehen, das ist wahr, das können wir nicht ausschließen. Aber du kannst das aushalten und wegstecken. Dein Glaube gibt dir Kraft. Und die Erfahrung zeigt uns, dass es meistens gut geht, wenn die Motivation stimmt, und dass die Lebensfreude in uns wächst und dass wir andere damit anstecken.
Ich möchte das alles am liebsten in einer Geschichte zum Ausdruck bringen, in einem Lied aus dem Musical Mozart –

Gold von den Sternen.

Es war einmal ein König,
der lebte mit seinem Sohn
in einem Schloss,
das lag in einem Zaubergarten!

Und weil der König alt
und von der Welt enttäuscht war,
war die Mauer sehr hoch
und das Tor immer zugesperrt!

“Es gibt“, sprach der König,
“keinen besseren Ort!“
Doch die Sehnsucht sprach zum Prinzen:
“Du musst hier fort!“

Manchmal nachts fällt Gold von den Sternen!
Du kannst es finden,
da draußen, wo noch keiner war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du allein hinaus in die Gefahr!

„Da draußen wirst du scheitern!“,
sprach der Vater zum Sohn.
“Genau wie ich,
drum bleib in unserm Zaubergarten!

Ich geb´ dir Sicherheit,
nur um dich zu beschützen-
ist die Mauer so hoch
und das Tor immer zugesperrt!“

Die Liebe des Königs sprach aus jedem Wort,
doch die Sehnsucht sprach zum Prinzen:
“Du musst hier fort!“

Am Rand der Welt fällt Gold von den Sternen!
Und wer es findet,
erreicht, was unerreichbar war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du allein hinaus in die Gefahr!

Lieben heißt: Manchmal loslassen können!
Lieben heißt: Manchmal von Geliebten sich trennen!
Lieben heißt: Nicht nach dem eignen Glück fragen!
Lieben heißt: Unter Tränen zu sagen:

Weit von hier fällt Gold von den Sternen!
Du kannst es finden,
da draußen, wo noch keiner war!

Sein heißt werden,
leben heißt lernen!
Wenn du das Gold von den Sternen suchst,
musst du fort von zu Haus
und nur auf dich gestellt
allein hinaus in die Welt voll Gefahr!

Text: Angelika Milster