Unser Projekt in Deva, Rumänien
Artikel aus "pfarremauer.at"
Kultur und Freundschaft - eine Reise nach Rumänien
Eine vom Rumänienteam der Pfarre Mauer und Mitarbeitern der action 365 initiierte Reise im Mai 2010 brachte ungewöhnliche Erfahrungen. Die Autorin gibt hier auszugsweise ihre Eindrücke und die Stimmung dieser Woche wieder.
Nach einem kurzen Besuch der barocken ungarischen Stadt Eger auf der Anreise nach Satu Mare, besuchten wir ausgiebig das wohl noch immer ursprünglichste Gebiet Rumäniens in den Karpaten die Maramuresch. Auf der Fahrt entlang der ukrainischen Grenze findet man zahlreiche Holzkirchen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurden.
In fast unberührter Natur kommen wir über Bergstraßen durch dichte Laubwälder in das Dorf Sãpânþa an der Theiß, bekannt durch seinen Lustigen Friedhof, der einzige dieserArt auf der Welt. Die Grabkreuze sind mit verschiedenen geschnitzten Ornamenten geschmückt und mit meist lustigen Versen beschrieben, die das Leben des Verstorbenen schildern.
Die berühmten Holzkirchen
200 m abseits der Hauptstraße über Stufen erreichbar steht auf der Höhe die Kirche von Deseºti inmitten der mit bunten Kunstblumenkränzen geschmückten Gräber. Diese, wie alle anderen Holzkirchen, ist in traditioneller Handwerkskunst erbaut, nur unter Verwendung von Hartholznägeln.
Weiter geht es nach Surdesti, 10 km südlich von Baia Sprie. Flechtholzzäune umgrenzen den Friedhof. Durch ein geschnitztes Tor gelangen wir zur Kirche mit dem extrem hohen Turm mit Galerie. Vom Boden bis zur Kreuzspitze misst er 72 m, somit eines der höchsten Holzbauwerke der Welt. Hier können wir auch den mit biblischen Szenen reich bemalten Innenraum bewundern. Die Böden und Bänke sind mit dicken, selbstgewebten Teppichen bedeckt, die Ikonenbilder tragen bestickte Schaltücher, und gestickte Vorhänge zieren die Fenster. Die vieleArbeit, die von der Bevölkerung Surdestis für ihre Kirche aufgebracht wird, die endlosen Stunden, in denen Teppiche gewebt und Tücher bestickt werden, machen diese Kirche zu einem Teil der Bevölkerung, so als sei sie der schönste gemeinsame Andachtsraum des Dorfes.
Anders als die Moldauklöster, die von den Herrschenden erbaut und gestiftet wurden, sind diese Holzkirchen aufgrund des Willens und nach den Vorstellungen der hier lebenden Menschen gestaltet und errichtet worden.
Über Cluj (Klausenburg) und Alba Iulia (Karlsburg bzw. Weißenburg), wo wir die orthodoxe Kathedrale, die katholische Michaelskirche und die Festung besichtigten, kommen wir am dritten Tag unserer Reise nach Orãstie (Broos) und treffen im Kloster mit Pater Csaba zusammen.
Begegnung mit Pater Csaba und den Kindern
Viele ältere Kinder, die ihre ersten Jahre hier verbracht haben, spielen gemeinsam mit den Kleinen in Hof und Garten sie kamen, um tags darauf, am Sonntag, das Fest 10 Jahre Orãstie mitzufeiern. Hier in diesem Wohnheim für 69 Kinder zwischen 3 und 12 Jahren lebt der 92jährige Pater Antal, der wie ein Urgroßvater die jungen Erzieher mit seinem ungebrochenen Optimismus ermuntert, von diesen geschätzt und von den Kinder geliebt wird.
Wir feiern gemeinsam die hl. Messe und obwohl wir Pater Csabas ungarische Predigt nicht verstehen können, sind wir davon beeindruckt, wie er die Kinder anspricht und einbezieht. Beim gemeinsamenAbendessen erzählt uns der Leiter des Wohnheimes, der mit seiner Frau (Lehrerin) und seinen beiden Kindern in Orãstie wohnt, über seine Arbeit, aber auch über die Sparmaßnahmen der Regierung, die die Löhne, die Kinderbeihilfen und auch die Pensionen kürzen wird. Er war selbst als Kind in Deva und wir merken ihm an, dass er Freude an seiner Tätigkeit hat.
Das Leben in den Sozialfamilien
In Deva besuchen wir einige der 22 Sozialfamilien (Eltern oder Mütter leben mit 10 Kindern und ggf. eigenen Kindern in einer Wohnung) und werden freundlich aufgenommen. Diese Eltern erziehen die Kinder mit liebevoller Zuwendung zu Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Die Hilfestellung der Kinder untereinander ist offensichtlich selbstverständlich. Pater Csaba begegnet seinen Kindern mit liebevoller Güte und wird mit Überschwang und Freude begrüßt. Anlässlich seines 50. Geburtstages hat Pater Csaba von seinen Kindern Stickereien, Zeichnungen etc. erhalten, die auf einer großen Tafel ausgestellt sind.
In der Klosterkirche in Deva feiern wir Gottesdienst der Kinderchor singt rhythmische Lieder, wir sind beeindruckt von der Aufmerksamkeit und ruhigenAtmosphäre in der Kirche, obwohl an die 150 Kinder mitfeiern.
Wir besuchen das ehemalige Kloster in Petrosani, in dem seit 2005 ein Wohnheim für 88 Kinder, eine Schule für zusätzlich etwa 100 Kinder, sowie ein Tagesheim und ein Kindergarten für 18 Kinder geführt wird. Bei unserer Ankunft können wir kleine Buben beobachten, die den Vorplatz kehren; zwei Buben streiten um einen Besen Pater Csaba nimmt beide in die Arme und spricht liebevoll mit ihnen der Streit um den Besen legt sich. Andere Buben waschen das Stiegenhaus auf wahrscheinlich haben sie uns erst etwas später erwartet. Ein Mädchen auf Rollschuhen flitzt um die Ecke und begrüßt Pater Csaba stürmisch mit leuchtenden Augen. Die Möbel für die Wohnheime und Familien wurden in der von Pater Csaba gegründeten Werkstatt in Deva gefertigt wir bewundern die gute Arbeit.
Veränderungen
Auf der Rückfahrt nach Deva fahren wir durch eine endlose, trostlose Industrielandschaft nach Hunedoara (Eisenmarkt), die einst größte, heute verrottende Eisenhütte Rumäniens, oder besser gesagt, was heute davon noch übrig ist. Die Industrieruinen werden von der Bevölkerung immer noch als Baumaterialquelle verwendet.
Welche Veränderungen sind mir seit meinem letzten Besuch aufgefallen? Blumenschmuck an vielen Häusern, viele private Neubauten mit z.T. äußerst farbenfrohen Fassaden und Dächern neben verfallenden Hausruinen. Weideland mit Kühen, nicht nur mit Schafen; in den Hotels wird Milch angeboten. Neben den vor sich hin rostenden Industrieruinen entstehen neue Fabrikhallen aus Wellblech (z.B. Spanplattenerzeugung).
Die Stiftung Hl. Franziskus
Dieser Besuch der Stiftung hat uns wieder einmal gezeigt, dass Pater Csaba nicht nur ein Priester ist, der die Frohe Botschaft verkündet und lebt und Liebe weitergibt, sondern durch sein mutiges und vorausschauendes Planen ein Zeichen der Hoffnung für Siebenbürgen und ganz Rumänien setzt.
Die Stiftung Hl. Franziskus ist ein leuchtendes Beispiel für geglückte christliche Fürsorge und Erziehungsarbeit. Wir schätzen uns glücklich, dieser wertvollen und wichtigen Einrichtung in nun schon langjähriger Freundschaft verbunden zu sein!
Verla Twaroch
action 365
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