Unser Projekt in Deva, Rumänien

 

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Brief an unsere Unterstützerinnen und Unterstützer!

Neuerdings kommt mir öfter der blinde Roma, ein Rumänisch sprechender Bettler in den Sinn, der alleine die zwei kleinen Kinder seines Bruders erzog. Der Bruder des Mannes war im Gefängnis. Am vierten Advent 1985 stand er auch da, wie jeden Sonntag, im Eingang der Kathedrale in Alba Iulia. Ich fragte ihn, wo er wohnen würde. Am Nachmittag ging ich mit einem meiner Mitbrüder zu ihm. Wir sahen, dass er am Ende des Dorfes an einem Wassergraben in einer Höhle wohnte, die zum Teil in die Erde gegraben war. An jenem Dezemberabend, wo es schon schnell dämmert, erzählte er beim Licht einer flackernden Kerze sein trauriges Schicksal.
Als Kind hatten ihm einige Kinder aus Spaß Pfeffer in die Augen geblasen. Alle lachten, und er selbst konnte nie wieder sehen. So konnte er auch keinen einzigen Tag in die Schule gehen. Sein Bruder hatte zwei kleine Kinder, einen kleinen Sohn, der sechs Jahre alt war, und eine kleine Tochter, die fünf war, namens Floare „Wilde Blume“. Der arme Mann hatte Holz gestohlen (wie viel Holz brauchte man wohl, um dieses kleine Loch aufzuwärmen?) und er kam mit seiner Frau ins Gefängnis. Die Kinder wurden von da an von dem blinden Onkel, der vom Betteln lebte, ernährt und erzogen.
Erschüttert hörten wir dieser unendlich traurigen Geschichte zu und sahen uns in der unbeschreiblichen Armut um: Sechs Quadratmeter, ein einziges handgroßes Fenster, ein dunkles Loch in der Erde, ein Paar Händevoll Stroh in den Ecken anstelle von Betten. Ich war von tiefem Mitleid überwältigt, aber auch schämte ich mich. Ich schämte mich vor den Kindern dafür, dass ich Teil einer Gesellschaft bin, die sie zu einer dunklen Erdgrube, wo sie nicht einmal ein Bett hatten, verurteilt hatte. Zu Weihnachten, am Nachmittag, besorgten wir ein Bett mit einer Matratze und einen Tannenbaum und brachten das Geschenk zu Fuß, auf unserem Rücken, in das acht Kilometer weit liegende Dorf. In das Häuschen passten nicht beide Geschenke, der Baum und das Bett hinein. So stellten wir den Baum vor der Hütte auf. Ich kann die unendliche Freude und das Glück, das wir mit diesem kleinen Geschenk machten, nicht beschreiben. Die Kinder begleiteten uns fast bis zur Stadt zurück und bedankten sich immer wieder für das Bett und die Paar Bonbons, die wir auf den Baum gehängt hatten. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viele klebrige Küsse zu Weihnachten bekommen, wie an diesem Abend.
Es tut gut, gut zu sein. Es tut gut, uns zu den Kleinen niederzubeugen, zu den Schwächsten und zu den Ärmsten. In den Jahren habe ich erfahren, was für eine reine und edle Freude es ist, gut zu sein, Gutes zu tun und aus Liebe barmherzig gegenüber den Notleidenden zu sein. Wenn ich nur den reichen Leuten diese reine Freude zu spüren geben könnte, nicht nur den Privatpersonen, sondern auch den Vorständen großer Finanzgesellschaften und Bankiers!
Ich bitte Gott, dass Er die Herzen der Reichen mit Liebe, Güte und Erbarmen beschert, denn ich sehe traurig zu, wie sich nicht nur Privatpersonen tagtäglich verschulden, sondern auch eine ganze Reihe von Ländern dem Bankrott nahe gekommen sind. Erstaunt sehe ich zu, dass Länder, die in Not sind, und ganze Völker auf die Hilfe und Güte der Reichsten verzichten müssen. Die Banker werfen sich wie Geier auf die ihnen ausgelieferten Völker, und anstelle eine finanzielle Hilfe zu kleineren und erträglichen Zinsen zu leisten, wollen sie ihnen aus verbrecherischer Eigennützigkeit der Wucherer nur Kredite zu einem noch höheren Zinssatz, zu unerfüllbaren Konditionen geben.
Ein Schrecken des vergangenen Jahrhunderts war die Diktatur des Proletariats, wo eine kleine Minderheit ihren Willen Millionen von Menschen aufzwang und, ihre blutige Macht missbrauchend, die Unschuldigen bedrängte. Dasselbe tat der Faschismus, der die Macht an sich gerissen hat und mit seinem verbrecherischen Denken und Handeln die ganze Menschheit ins Elend stürzte. Mich erinnern diese Wenigen, die durch ihre finanziellen Finessen märchenhafte Vermögen gewinnen, in dem sie Regierungen stürzen und Länder zum Bankrott führen, an diese gehassten, diktatorischen Mächte. Die Diktatur der Banken verschuldet sogar die noch nicht geborenen Kinder, da sie alle Staatsangehörige der verschuldeten Länder in eine elende finanzielle Abhängigkeit stürzt. Es werden unerträgliche Lasten durch die Wucherzinsen auf die Völker geladen, damit einige ihr unermessliches Vermögen ständig vergrößern. Demokratisch gewählte Regierungen stürzen um und die Statthalter der Finanzwelt kommen an die Macht, deren einziges Ziel es ist, aus den Ländern weitere Wucherzinsen herauszupressen.
Im Bewusstsein meiner Kleinheit bitte ich die Reichen mit Liebe und Demut, dass sie unter erfüllbaren Konditionen den Ländern Kredit geben. Sie sollten den Leuten zulassen, dass sie aufatmen können und dass sie finanziell wieder auf die Beine kommen können. Sie sollten diese schöne, von Gott geschaffene Welt nicht wieder ins Leiden, in blutige und schreckliche Revolten und in riesige Straßenschlachten zwingen! Es war so bestürzend zu sehen, wie eine junge griechische Demonstrantin von als Außerirdische verkleideten Söldnern an den Haaren durch die Straße gezogen wurde. Die Bankiers können sich jetzt noch für die Liebe und Großzügigkeit entscheiden. Die Zinsen ihres Geldes könnten Dankbarkeit und Achtung, aber sie könnten auch Blut, Tränen und unendlicher Hass werden. Die Menschheit hat sich bis jetzt immer wieder von den eigensüchtigen Diktatoren befreit, die wie Krebsgeschwüre alles erobern und sich dem Dienst der Gemeinschaft vollkommen entziehen. Es wird aber auch diesmal nicht anders kommen, wenn in den Herzen der Reichen und der Finanzleute nicht die Liebe triumphiert, dann erreicht sie nach zehn, zwanzig, siebzig oder wer weiß wie vielen Jahren das Schicksal der Tyrannen.
Guter Gott, bitte lass deine Großzügigkeit auf die Welt strömen!

In brüderlicher Liebe,
Bruder Csaba

 

Deva, den 6. Dezember 2011

Liebe Freude!

Im Laufe des Jahres haben wir sehr viel Liebe und Güte von unseren Unterstützern bekommen. Sie kamen oft, wie ich in meinem Schreiben, als gute Rentiere zu Hilfe, damit Gottes Fürsorge und die den Kindern helfende Liebe ihr Ziel erreicht. Dafür möchte ich mich jetzt anlässlich des kommenden Weihnachtsfestes aus tiefem Herzen bedanken.

Bruder Csaba


Das Lied der kleinen Zita

In der Adventzeit denke ich mit Freude erfüllt an jenen vorweihnachtlichen Tag zurück, als ich die kleine Nachtigall unter den Kindern von Deva kennengelernt habe.

Am ersten Tag der Winterferien fuhr ich nach Dorobanti, um die Kinder für die Feiertage nach Deva zu bringen. Ein kleines blondes Mädchen, die in die sechste Klasse ging, wandte sich mit einer Bitte an mich: "Pater, bringen Sie mich in mein Dorf, wo Sie mich vor einem Jahr weggeholt haben!" Ich wusste, dass sie kein Zuhause dort hatte, so stellte ich verwundert die Frage: "Wo möchtest du hin?" Die Antwort kam: "Wissen Sie, Bruder Csaba, in dem Dorf leben noch mindestens zehn Kinder, die noch nie ein Geschenk zu Weihnachten bekommen haben. Wissen Sie, wir haben auch kein Geschenk bekommen, erst als wir zu Ihnen, ins Heim, gekommen sind." Dann erzählte sie, dass ihr Geschenk war, abends im Dunkeln lange Spaziergänge im Dorf zu machen und zuzuschauen, wie schön die geschmückten Weihnachtsbäume durch die Fensterscheiben leuchten. "Ach, Mädchen", seufzte ich tief, "seht ihr, es ist spät und dunkel und die Straße ist rutschig, und wir haben nicht einmal ein Geschenk, um es mitzunehmen!" Die Mädchen antworteten auf einmal: "Doch, wir haben Geschenke, wir haben welche vorbereitet! Der Nikolaus hat uns Vieles mitgebracht und auch von unseren Pausensnacks haben wir Einiges aufgehoben. Wir haben nun zehn kleine Tüten."

Ich konnte schwer ein Wort hervorbringen, fuhr stumm im Schneefall weiter und die Finsternis, die im Dezember so schnell kommt, bedeckte allmählich alles. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht gut genug war um mich in einen Engel zu verwandeln, aber vielleicht könnte ich zu einem Rentier werden, das den Schlitten zieht! Ich habe ja kein Geschenk, aber ich könnte den Kindern helfen, damit ihr Geschenk ankommt! So machten wir uns, in dem winterlichen Abendgrauen, von großer Liebe erfüllt, auf den Weg.

Es war neun Uhr, als wir ankamen. Wir besuchten eine Familie nach der anderen, und zuletzt kamen wir zu einem kleinen, alten Holzhaus mit einer Veranda im Szekler-Stil. Im Haus war kein Strom, drei kleine, liebe Mädchen hockten um eine einzige, flatternde Kerze. Ihre Mutter, selbst ein zerbrechliches Kind, empfing uns und stand bescheiden in der Tür. Unsere Kinder, wie wahre Engel, sangen mit klarer Stimme die schönsten Weihnachtslieder. Ich stand in der Tür, wie es sich einem wohl erzogenen Rentier gehört, in einer dunklen Ecke, und sah mit tränenden Augen zu, wie meine Kinder großzügig ihre Geschenke verteilten. Es war schön, die Gesichter der Kinder zu betrachten, Güte erleuchtete und durchdrang ihr Lächeln und die Gesichtszüge sowohl der Schenkenden als auch der Beschenkten. Die Mutter sagte dann sanft: "Ach, Pater, sie haben die Engel gebracht! Ich wollte Sie schon seit Herbst darum bitten, dass Sie meine Tochter, die größte, Zita, zu sich nehmen, weil ich sie nicht zur Schule schicken kann. Sie müsste in die erste Klasse."

Zita hat in Deva immer gesungen, so habe ich mich auch gar nicht gewundert, dass János Bródy, der Komponist sie, als beste Sängerin unter den zweitausend Kindern ausgesucht hat. Bródy hat nämlich eine CD zugunsten unserer Stiftung zusammengestellt, wo Kinder aus der Stiftung mit populären Musikern Lieder gesungen haben. Seitdem singt die kleine Zita überall, wo wir hingehen, mit Mut und Freude. Mich erinnert sie immer wieder, wenn ich auch nicht wie ein Engel lieben kann, dass ich tun sollte, was ich tun kann.

Der Gesang der kleinen Zita, ihre schöne und reine kindliche Stimme beweist mir mehr als alles andere, dass man die Großzügigkeit Gottes nicht übertreffen kann. Ja, ja, an dem Tag, wo ich sie nach Deva mitnahm, dachte ich, ich würde etwas geben, und es hat sich herausgestellt, dass in Wirklichkeit Gott mich mit einem wundervollen kleinen Mädchen beschert hat. Ich bin überzeugt, dass durch sie nicht nur ich, sondern wir alle reicher geworden sind.

Alles Liebe,
Bruder Csaba

 

 

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