Unser Projekt in Deva, Rumänien
Geschichte des Klosters und der Schule
Im Jahr 1710 ließen sich zunächst drei Franziskaner in Deva nieder, bauten als erstes eine kleine Kapelle, später dann das Kloster. Nach harter Arbeit entstand der Gebäudekomplex, der schon im Jahre 1723 die heutige Form annahm.
Die Franziskaner sahen neben dem Gebetsleben ihre wichtigste Aufgabe in der Seelsorge. Schriftliche Aufzeichnungen bestätigen, dass die erste Schule im Kloster schon im Jahre 1733 gegründet wurde. Im Gründungsjahr lernen hier neben den 36 Grundschulkindern auch Jugendliche, die sich auf ein Ordensleben vorbereiten. Das Kloster gewinnt rasch an Bedeutung. Das von den Franziskanern aufgebaute Schulsystem wird allmählich zur Domäne des Ordens. Bis nach dem Ersten Weltkrieg bleiben auch in Deva sämtliche Schulen in deren Händen. Die angebotene Qualität ist unbestritten. Dann kommt der große Krieg.
Siebenbürgen wird nach dem Diktat von Trianon dem neuen rumänischen Staat zugesprochen. Trotz der hervorragenden Qualität der von den Franziskanern geführten Schulen, vermutlich aber gerade deshalb, wird bald nach dem Ersten Weltkrieg eine Schule nach der anderen vom Staat geschlossen. Dann kommt der zweite Weltkrieg. Danach werden im Jahr 1948 auch die übrigen von den kommunistischen Machthabern verstaatlicht.
In den Franziskanischen Klöstern leben die Geistlichen bis zu diesem Jahr einigermaßen unbehelligt, dann werden sie massiv bedrängt. Bedrohung, Verfolgung und Beschlagnahme sind an der Tagesordnung. Man versucht staatlicherseits, die bestehende Ordnung der Franziskaner zu zerstören. Die Ordenshäuser sollen konfisziert, die Brüder vertrieben werden. Die Deportation droht. Nach Sibirien sollen sie verschleppt werden.
Eines Nachts werden die Klöster tatsächlich von Ordnungskräften gestürmt. Die Ordensleute haben knapp zwei Stunden Zeit, um ihre geringen Habseligkeiten einzupacken. Danach werden sie ins Kloster von Maria Radna bei Lippa transportiert. Dort sollen sie verhungern. Doch es kommt anders. Trotz aller Repression bleiben die Franziskaner tapfer und stark. Die Peiniger ändern die Taktik. Sie verteilen die Festgehaltenen auf mehrere Lager und halten sie unter strengem Hausarrest. Viele, viele Jahre hindurch. Dank der Hilfe der Bevölkerung Siebenbürgens überleben die Geistlichen. Gegen den Willen der staatlichen Obrigkeit. Denn diese wollte die Brüder mit ihren Maßnahmen zur Aufgabe zwingen. Da aber die Verhetzung nicht und nicht das gewünschte Resultat bringt, greift man zu drastischeren Mitteln. Im Juni 1961 werden sieben ranghöhere Patres verhaftet. Die Untersuchungshaft dauert ein ganzes Jahr, dann verurteilt man sie zu drei bis fünfzehn Jahren Gefängnis. In den Kerkern werden sie zum Trost für ihre Kameraden, die zwar in Freiheit geblieben sind, aber dennoch nichts unternehmen dürfen, was ihrer Berufung entsprechen würde.
Um ein neuerliches Entstehen ihres Wirkens in Deva zu verhindern, werden einige Gebäude der Klosteranlage abgerissen. So fällt auch das Schulgebäude neben dem Kloster dem vandalistischen Treiben des Regimes zum Opfer. Man versucht, die in den Klöstern verbliebenen Brüder als Ankläger gegen ihre eigenen Oberen zu benutzen. Es gelingt nicht. 1964 enthaftet man die bis auf Haut und Knochen abgemagerten Patres. Doch sie dürfen nicht in ihre Klöster zurückkehren und man lässt sie auch nicht mehr ihre vorherigen Ämter ausüben. So besetzen diese mit Billigung des Bischofs mehrere Pfarren, um dort als Pfarrer tätig zu werden.
Die Brüder waren fortgebracht, vertrieben. An ihre Stelle treten in Deva staatliche Institutionen. Sie besetzen das Kloster. 1970 und 1974 tritt die Marosch gewaltig aus den Ufern. Kirche und Kloster haben wie große Teile der Stadt unter den großen Überschwemmungen zu leiden. Die Folgen dieser Naturkatastrophen bewirken immerhin, dass die Besatzer ausziehen. Danach bleibt das Kloster für zehn Jahre unbewohnt.
Zu Beginn der 80er Jahre fängt das Städtische Museum an, das Kloster zu renovieren. Das heißt, die Fassade wird ausgebessert. Doch im Inneren werden Möbel, Türen, Fenster und Parkett verheizt und der Verputz abgeschlagen. Die Arbeiten werden schließlich abgebrochen. Es folgen weitere zehn Jahre Verfall.
Im Herbst des Jahres 1992 hält der Provinzial der Franziskaner die Zeit für gekommen, das dem Orden schon seit fast drei Jahrhunderten gehörige Kloster endlich wieder in Besitz zu nehmen. Sich voll im Besitz der alten Rechte wähnend, sendet er zwei junge Ordensbrüder nach Deva, die seinen Plan in die Tat umsetzen sollen. Die beiden beherzten Franziskaner beginnen unverzüglich mit der Restaurierung der Klosterruine. Das einstige Kloster wird also von den rechtmäßigen Besitzern zurückerobert.
Einer von ihnen ist Pater Csaba.
Er beginnt sofort mit der noch heute andauernden Revitalisierung. Das Kloster wird in zwei Bereiche geteilt: im Obergeschoss befindet sich eine kleine Klausur, zu der die Franziskaner Zutritt haben, der Rest des Gebäudes dient der Erziehung und Ausbildung der Kinder.
Am 15. September 1993 wird das seit einem halben Jahrhundert verstummte Kloster wieder von Kinderlachen erfüllt. Die Wiedergeburt des Kollegiums ist vielleicht die einzige Chance für Kinder, deren Eltern nicht mehr leben oder deren materielle Bedingungen ihnen die Erziehung ihrer Kinder nicht ermöglichen.
Im September 1995 erwacht auch die Grundschule aus ihrem Schlaf, sie startet mit 68 Schülern.